Verfolgt wegen ihres Glaubens – Menschrechtsverletzungen gegen ethnisch-religiöse Gruppen in Myanmar

Ruine der St Matthew’s church in Daw Ngay Ku ©Amnesty International

Myanmar, ein Land mit einer buddhistischen Mehrheit, ist seit Jahrzehnten Schauplatz systematischer Verfolgung religiöser Minderheiten. Neben Christen sind insbesondere die muslimischen Rohingya sowie andere ethnisch-religiöse Gruppen wie die Karen, Karenni und Shan von schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen betroffen. Diese Verfolgungen haben zu massiven Fluchtbewegungen, internationaler Besorgnis und Forderungen nach Gerechtigkeit geführt.

Verfolgung der Rohingya

Die Rohingya, eine muslimische Minderheit im westlichen Bundesstaat Rakhine, sind seit langem staatlicher Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Im Jahr 2017 eskalierte die Situation, als eine Militäroffensive über 700.000 Rohingya zur Flucht nach Bangladesch zwang. Berichte dokumentierten Massentötungen, Vergewaltigungen und die Zerstörung von Dörfern. Die USA stuften diese Gräueltaten als Völkermord ein.
Trotz internationaler Aufmerksamkeit bleibt die Lage der Rohingya prekär. Viele leben weiterhin staatenlos in Flüchtlingslagern unter schwierigen Bedingungen. Im November 2024 beantragte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) einen Haftbefehl gegen Myanmars Militärführer Min Aung Hlaing wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit der Verfolgung der Rohingya.

Verfolgung christlicher Minderheiten

Christen, die etwa acht Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind ebenfalls erheblichen Repressionen ausgesetzt. Nach dem Militärputsch von 2021 verschärfte sich ihre Situation weiter. Kirchliche Aktivitäten werden misstrauisch beobachtet, und Priester sowie Gläubige riskieren Verhaftungen und Gewalt. Ein tragisches Beispiel ist die Ermordung des katholischen Priesters Donald Martin Ye Naing Win im Februar 2025, der von Milizionären brutal getötet wurde, nachdem er sich geweigert hatte, vor ihnen niederzuknien.
Zusätzlich werden Kirchen häufig Ziel von Angriffen. So wurde die Herz-Jesu-Kirche in Mindat durch einen Luftangriff zerstört, was die Gläubigen jedoch nicht davon abhielt, den Wiederaufbau zu planen. Die Kirche spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Bevölkerung, indem sie Flüchtlinge versorgt und provisorische Schulen einrichtet, trotz der ständigen Gefahr für ihre Mitarbeiter.

Verfolgung anderer ethnisch-religiöser Gruppen

Neben den Rohingya und Christen sind auch andere Gruppen wie die Karen, Karenni und Shan von staatlicher Unterdrückung betroffen. Berichte deuten darauf hin, dass das Regime versucht, diese Minderheiten zu assimilieren oder zu vertreiben, was zu bewaffneten Konflikten und weiteren Menschenrechtsverletzungen führt.

Internationale Reaktionen und Ausblick

Die internationale Gemeinschaft hat die Verfolgung religiöser Minderheiten in Myanmar wiederholt verurteilt. Organisationen wie die Vereinten Nationen und verschiedene Menschenrechtsgruppen fordern Sanktionen und humanitäre Hilfe. Trotz dieser Bemühungen bleibt die Situation angespannt, und viele Betroffene sehen wenig Hoffnung auf kurzfristige Besserung.
Die Verfolgung religiöser Minderheiten in Myanmar ist ein tief verwurzeltes Problem, das umfassende internationale Aufmerksamkeit und koordinierte Maßnahmen erfordert, um den betroffenen Gemeinschaften Schutz und Perspektiven zu bieten.

28. März 2025