
Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2021_Myanmar_protests_Mandalay_4.jpg Author: Kantabon, ohne Änderungen, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de
Junta-Chef Min Aung Hlaing möchte die Militärregierung in Myanmar wie eine gewählte Zivilregierung erscheinen lassen und dabei doch nur die Macht des Militärs sichern.
Aufgrund der paywall hier eine kurze Zusammenfassung des Artikels von Thomas Hahn, Delhi, Sueddeutsche Zeitung vom 31. März 2026
Min Aung Hlaing, langjähriger Militärchef Myanmars, hat nach seinem Rücktritt als Armeechef beste Chancen, Präsident zu werden. Die vom Militär kontrollierte USDP (Union Solidarity and Development Party) hält 81 Prozent der Parlamentssitze. Wahlen fanden nur unter stark eingeschränkten Bedingungen statt, Oppositionsparteien wie die NLD (National League for Democracy) von Aung San Suu Kyi wurden verboten.
Min Aung Hlaing wird wegen Menschenrechtsverletzungen und des brutalen Vorgehens gegen Minderheiten international kritisiert. Nach dem Putsch 2021 wurden zahlreiche Gegner inhaftiert und Proteste blutig niedergeschlagen. Die scheinbare Zivilregierung bleibt eine Fassade für die Macht des Militärs.
Der Bürgerkrieg fordert weiter Tausende Todesopfer, Millionen sind auf der Flucht. Die Junta kontrolliert laut BBC nur etwa ein Fünftel des Landes, der Rest wird von Rebellengruppen und Milizen beherrscht. Unterstützung erhält die Junta vor allem von Russland und China. Ein Ende der Gewalt ist nicht absehbar – und Kompromisse sind unter Min Aung Hlaing unwahrscheinlich.
Amnesty International: Die Präsidentschaft darf Min Aung Hlaing nicht vor der Rechenschaftspflicht schützen
Als Reaktion auf die Nachricht, dass die dem ehemaligen General Min Aung Hlaing treuen Parlamentarier ihn am 3. April zum nächsten Präsidenten Myanmars gewählt haben, erklärte der Amnesty International Myanmar Researcher Joe Freeman:
„Wenn Min Aung Hlaing glaubt, ein offizieller ziviler Titel schütze ihn vor Strafverfolgung für die zahlreichen schweren Verstöße gegen das Völkerrecht, die ihm als Oberbefehlshaber des Militärs zur Last gelegt werden, irrt er sich gewaltig. So funktioniert internationale Justiz nicht. Er mag zwar seine Militäruniform gegen Zivilkleidung tauschen, doch ändert das nichts an seiner mutmaßlichen Verantwortung für schwere Völkerrechtsverbrechen in Myanmar.“
ai news – 3. April 2026 (english)(deutsch)
Myanmars Militärjuntachef Min Aung Hlaing zum Präsidenten gewählt – DIE ZEIT, 3. April 2026
Mehr als fünf Jahre nach der Machtübernahme des Militärs in Myanmar ist der damalige Putschführer Min Aung Hlaing zum Präsidenten gewählt worden. Aung Lin Dwe, Präsident des gemeinsamen Ober- und Unterhauses, gab bekannt, dass Min Aung Hlaing 429 der 584 Stimmen erhalten habe. Die beiden Zweitplatzierten wurden zu Vizepräsidenten ernannt.
Ex-Junta-Chef wird Präsident von Myanmar – taz.de, 3. April 2026
Wichtige Oppositionsparteien, darunter Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie, wurden entweder von der Teilnahme ausgeschlossen oder weigerten sich, unter Bedingungen anzutreten, die sie für unfair hielten. Die 80-jährige Suu Kyi selbst verbüßt eine 27-jährige Haftstrafe aufgrund von Anschuldigungen, die Beobachter als politisch motiviert einstufen.
Ex-Militärjunta-Chef in Myanmar zum Präsidenten gewählt – DeutscheWelle, 03.04.2026
Kritiker sehen in der Wahl den Versuch Min Aung Hlaings, sich den Anschein einer demokratischen Legitimierung zu geben. Er führte die Armee seit 2011 an. Das Militär hatte sich unter der Führung des Junta-Chefs 2021 zurück an die Macht geputscht und die im Jahr zuvor mit großer Mehrheit demokratisch gewählte Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt. In einem von Menschenrechtsorganisationen als Schauprozess verurteilten Verfahren wurde Suu Kyi zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt.
Ein ziviler Umhang für Myanmars Militärmachthaber – faz.net 03.04.2026
Von Till Fähnders, Singapur: Für Min Aung Hlaing, der die Streitkräfte 15 Jahre lang befehligte, war die politische Staatsspitze ein lang ersehntes Ziel. Analysten zufolge handelt es sich dabei lediglich um einen Wechsel von der Herrschaft als Militärführer zur Herrschaft als Präsident.
Am Montag hatte Min Aung Hlaing das militärische Kommando an den bisherigen Geheimdienstchef Ye Win Oo übergeben. Dieser gilt als sein enger Vertrauter.
Ewiger Bürgerkrieg: Chinas perfides Spiel in Myanmar – NZZ, 07.04.2026 (Paywall)
Von Katrin Büchenbacher: Peking unterstützt im Bürgerkrieg die Junta und einzelne Rebellenarmeen – für den Zugang zu seltenen Erden und zum Indischen Ozean. Während Myanmar zerteilt und zerstört wird, profitiert China.